Ohne Zweifel - eine völlig runde Sache

Das im Sommer 2008 aufgenommene Doppel-CD-Album "on the air" ist inzwischen im Eigenverlag erschienen. Ist ja schön, ein handgemachtes Einzelexemplar zu kriegen, aber weil dadurch auch Lieferengpässe vorprogrammiert sind, sucht die Scheibe grundsätzlich immer noch ein Label. Auch als Sponsoring-Plattform könnte diese Veröffentlichung interessant sein - als Gegenwert winken Ihnen neben steuerabzugsfähigen Spendenquittungen z.B. exklusive Kundengeschenke in Form von CDs oder besondere Bedingungen für live-Engagements.

Der Sound von Tonmeister Alexander Schall ist noch fetter geworden als in den Kostproben unten und die wilde Titelmischung entspricht ganz unseren Vorstellungen. Wir finden, es ist ein regelrechtes Konzept-Album geworden, über Konzeptlosigkeit.
Aber i
m Zweifel: Ohren auf und durch!

 

FÜR JEMANDEN HINTER DEM REGENBOGEN

 

ON THE AIR ist ein Album der schwerelosen Grenzenüberschwebungen oder - gebildeter - der ganz alltäglichen Transzendenzen. CHARLANDER liebt Grenzen, aber nicht um von ihnen eingeschränkt zu werden: Gesang/Klavier, Cello/Klavier, Klavier/Klavier, live oft mit virtuos vorgetragenen Gedichten animiert, meist unplugged, manchmal präpariert, selten unvorbereitet, erfolglos klassisch ausgebildet, des Erfolges wegen doch durchaus nicht eingebildet - das sind die Eckdaten des Ensembles, die zumindest das klassische Publikum ob der unpuristischen Vielfalt nach einem musikalischen Reinheitsgebot fragen lassen dürften.

Aber es sind nicht nur die Grenzen zwischen Klassik und Pop, zwischen Tradition und Action, plumpem Klamauk, intellektueller Avantgarde und tiefer Kontemplation, die CHARLANDER in ON THE AIR interessieren, auch wenn man sie vordergründig wohl am meisten wahrnimmt. Die rein handwerkliche Bewältigung spieltechnischer und ästhetischer Anfängerprobleme, die die Öffnung großer stilistischer Spielwiesen erfordert, kann allein kein Album rechtfertigen. Ein Kaleidoskop dient schließlich nicht sich selbst und kein Mensch schaut rein, um zu sehen, ob es funktioniert, sondern um das zu suchen, was an anderer Stelle unauffindbar bleibt.

Es sind also weniger die Grenzen, die bewältigt, als die Zwischenräume zwischen den Genres und Epochen, zwischen den Stücken und Tönen, die gefüllt werden wollen - und zwar mit dem heimlichen Hirnschmalz des Hörers. CHARLANDER zumindest findet im scheinbar Willkürlichen mehr roten Faden als (andere) in der Ordentlichkeit enzyklopädischer Abgeschlossenheit oder wohlfeiler Zeigefingerbotschaften.
Angesichts des Albumnamens wäre es freilich plump, nur einen Faden zu suchen und noch plumper, ihn hier zu erklären. Immerhin könnte das O auch ein Druckfehler sein, und das Album sollte eigentlich IN THE AIR heißen (vergl. Titel 24). Erschreckend vieles ist umso mehr "im Ungewissen", je genauer man hinsieht:

Die Grenzen zwischen Leben und Tod, laut und leise, erschreckend und witzig, sie werden zu Verläufen, sobald man sie betreten hat. Wissen wir beim Spiel etwa, wo wir uns tatsächlich befinden? Ob in Takt 1, 2, 3, oder 44 - das lässt sich so einfach nicht sagen, denn beim guten Flow sind wir im Geiste immer schon dort, wo wir mit Sicherheit erst hinkommen werden, und zugleich ist uns vollkommen gegenwärtig, von wo wir ohne Zweifel gerade herkommen. Nicht einmal Vorher und Nachher können wir also zweifelsfrei unterscheiden. So gesehen ist es nicht unbedingt ein Zeichen von Intelligenz und Bildung, beim Spielen einer Bach-Air wissenschaftlich zu ermitteln, wie sich 1723 das Leben anfühlte und dementsprechend bei der Aufführung so zu tun, als ob man noch nie ein Handy gehört hätte. Wir leben in einer holistischen Welt und das Kaleidoskop - sagen wir lieber das Kaleidophon, oder noch besser: das Kaleiduophon - steht bei CHARLANDER niemals still.

Drareg Ginman



Air

Tritschtratsch-Polka

Seguidille

Big Spender

Jota

America

Habanera

Disco

Schostakowitsch. Frühlingswalzer

Schlösser, die im Monde liegen

Schostakowitsch Scherzo

Summertime

Fauré: Elegie

I got rhythm

Nur nicht aus Liebe weinen

Marcello-Bach: Adagio

Etude-Caprice

Der schönste Gedanke

My little boy

Peacherine Rag

Charade

Mon Dieu

What a wonderful world

On the air

 

Bonustracks:


Goldfinger

Fever

 

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